EN ISO 11612 – Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen
Kurz gesagt: EN ISO 11612 regelt Kleidung, die vor Hitze und Flammen schützt. Anders als bei Warnschutz oder Wetterschutz gibt es keine Klassenzahl, sondern eine Reihe von Buchstabencodes – jeder steht für eine andere Art der Hitzeeinwirkung, jeder mit eigener Leistungsstufe. Welcher Code auf dem Etikett steht, entscheidet im Ernstfall darüber, ob die Kleidung die richtige Gefährdung abdeckt.
- Die Kennzeichnung
- Die Flamme im Schutzschild weist die Bekleidung als Schutzkleidung gegen Hitze und Flammen aus. Zum Piktogramm gehören die Normbezeichnung und die Buchstabencodes mit ihren Leistungsstufen.
- Das Symbol allein sagt noch nicht, wogegen ein Teil schützt. Erst die Buchstaben dahinter legen fest, welche Arten der Hitzeeinwirkung geprüft wurden – begrenzte Flammenausbreitung (Code A) ist Pflicht, dazu kommt immer mindestens ein weiterer Code von B bis F. Zwei Teile mit demselben Piktogramm können trotzdem völlig unterschiedliche Gefährdungen abdecken. Welcher Buchstabe wofür steht, steht unter Die Buchstabencodes.
Die Buchstabencodes
Jeder Buchstabe steht für eine Prüfung gegen eine bestimmte Hitzeart. Code A ist Pflicht, dazu muss mindestens ein weiterer Code erfüllt sein. Bei den Codes B bis F gibt die Ziffer die Leistungsstufe an – je höher, desto besser; bei A1 und A2 steht die Ziffer für das Beflammungsverfahren, nicht für eine Stufe.
| Code | Prüfung | Typische Gefährdung |
|---|---|---|
| A1 | Begrenzte Flammenausbreitung, Oberflächenbeflammung | Stichflamme trifft die Fläche |
| A2 | Begrenzte Flammenausbreitung, Kantenbeflammung | Flamme greift an Saum oder Kante an |
| B | Konvektive Wärme | Heiße Luft, Hitzestau |
| C | Strahlungswärme | Ofen, Schmelze, Glut in der Nähe |
| D | Spritzer flüssigen Aluminiums | Aluminiumguss |
| E | Spritzer flüssigen Eisens | Stahl- und Eisenguss |
| F | Kontaktwärme | Berührung heißer Oberflächen |
Einen Code lesen – am Beispiel unserer Kollektionen
So sehen die Codes in der Praxis aus. Je länger die Kette, desto breiter die abgedeckte Gefährdung:
| Code | Deckt ab | Bei uns |
|---|---|---|
| A1 B1 C1 F1 | Oberflächenbeflammung, konvektive Wärme, Strahlungswärme, Kontaktwärme | Basis-Multinorm |
| A1 B1 C1 D1 E2 F1 | Zusätzlich Aluminium- und Eisenspritzer | KÜBLER PROTECTIQ – breitester Code im Sortiment |
| A1+A2 B1 C1 E3 | Oberflächen- und Kantenbeflammung, hohe Stufe bei Eisenspritzern | KÜBLER SAFETY X COMPACT |
| A1+A2 B1 C1 E3 F1 | Wie oben, zusätzlich Kontaktwärme | KÜBLER PROTECTIQ WELDING |
Inhärent oder ausgerüstet – der Unterschied hält oder vergeht
Flammschutz entsteht auf zwei grundsätzlich verschiedenen Wegen:
- Inhärent: Die Schutzwirkung steckt in der Faser selbst – etwa bei Aramid oder Modacryl. Sie lässt sich nicht auswaschen und bleibt über die gesamte Lebensdauer erhalten.
- Ausgerüstet: Ein normales Gewebe – meist Baumwolle – wird chemisch flammhemmend behandelt. Die Wirkung ist real, aber an die Ausrüstung gebunden und damit endlich.
Unsere Multinorm-Gewebe sind inhärent flammhemmend: Modacryl-, Aramid- und Viskose-FR-Mischungen, dazu ein Anteil antistatischer Faser. Der Schutz ist damit dauerhaft – ein Punkt, der bei Mietwäsche und langen Nutzungszyklen den Ausschlag gibt.
Bei unseren Multinorm-Geweben ist die Schutzfunktion dauerhaft – ausgenommen der Chemikalienschutz nach EN 13034. Der beruht auf einer Ausrüstung und nicht auf einer Fasereigenschaft und ist damit als einzige der Schutzfunktionen waschabhängig endlich. Mehr dazu auf der Seite zu EN 13034.
Worauf es in der Praxis ankommt
Die Lücke zwischen den Kleidungsstücken
Hitze sucht sich den Weg des geringsten Widerstands. Die häufigste Schwachstelle ist nicht das Material, sondern der Übergang: zwischen Jacke und Hose, am Ärmelabschluss, am offenen Kragen. Schutzkleidung nach EN ISO 11612 wirkt nur als geschlossenes System – Jacke über der Hose, Ärmel heruntergekrempelt, Verschlüsse zu.
Was darunter getragen wird, entscheidet mit
Unterwäsche aus Polyester oder anderen Kunstfasern kann unter Hitzeeinwirkung schmelzen und mit der Haut verschmelzen – auch unter einer normgerechten Schutzjacke. Unter Flammschutz gehört flammhemmende Unterwäsche oder Naturfaser.
Veredelung ist bei Kategorie III Herstellersache
Flammschutzkleidung ist in aller Regel PSA der Kategorie III. Sie darf nur vom Hersteller verändert werden, mit Meldung an das Prüfinstitut. Ein nachträglich aufgebrachtes Logo aus nicht flammhemmendem Material kann die Zertifizierung aufheben – sprich uns an, bevor veredelt wird.
Baumusterprüfbescheinigungen laufen ab
EU-Baumusterprüfbescheinigungen sind gemäß Verordnung (EU) 2016/425 auf höchstens fünf Jahre befristet. Für die Beschaffung heißt das: Bei langlaufenden Rahmenverträgen lohnt der Blick auf das Ausstellungsdatum der Bescheinigung, nicht nur auf die Normnummer.
Kollektionen mit Flammschutz
39 Modelle unserer Kollektionen sind nach EN ISO 11612 zertifiziert – Jacken, Hosen und Latzhosen, durchgehend mit inhärentem Flammschutz.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Buchstaben A, B, C, D, E und F?
Jeder steht für eine andere Hitzeart: A für Flammenausbreitung (A1 Oberfläche, A2 Kante), B für konvektive Wärme, C für Strahlungswärme, D für Aluminiumspritzer, E für Eisenspritzer, F für Kontaktwärme. Code A ist Pflicht, dazu mindestens ein weiterer. Die Ziffer hinter B bis F gibt die Leistungsstufe an.
Schützt jede Kleidung nach EN ISO 11612 gegen Metallspritzer?
Nein. Dafür braucht es ausdrücklich Code D (Aluminium) oder E (Eisen). Ein Teil mit A1 B1 C1 ist gegen Flammen und Hitze geprüft, aber nicht gegen flüssiges Metall.
Wäscht sich der Flammschutz mit der Zeit aus?
Bei inhärent flammhemmenden Fasern wie Aramid oder Modacryl nicht – dort steckt die Eigenschaft in der Faser. Bei chemisch ausgerüsteten Baumwollgeweben ist die Wirkung an die Ausrüstung gebunden und damit begrenzt haltbar. Unsere Multinorm-Gewebe sind inhärent flammhemmend.
Welche Unterwäsche gehört unter Flammschutzkleidung?
Flammhemmende Unterwäsche oder Naturfaser. Kunstfasern können unter Hitzeeinwirkung schmelzen und Verbrennungen deutlich verschlimmern – auch unter einer normgerechten Schutzjacke.
Darf ich Firmenlogos aufbringen lassen?
Flammschutzkleidung ist meist PSA der Kategorie III und darf nur vom Hersteller verändert werden, mit Meldung an das Prüfinstitut. Ein Logo aus nicht flammhemmendem Material kann die Zertifizierung aufheben. Kläre die Veredelung vorher ab.
Beratung Hitze- und Flammschutz
Der Code auf dem Etikett
entscheidet im Ernstfall.
Wir gehen mit dir durch, welche Buchstabencodes deine Gefährdung abdecken und welche Kombination aus Gewebe und Schnitt dazu passt.
Stand: Juli 2026