EN 388 – Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken
Kurz gesagt: EN 388 bewertet, wie gut ein Handschuh gegen mechanische Belastungen schützt. Auf dem Piktogramm stehen bis zu sechs Stellen – jede für eine andere Prüfung, jede mit eigener Skala. Die Ziffernfolge sieht auf jedem Handschuh gleich aus, bedeutet aber je nach Stelle etwas völlig anderes. Wer sie lesen kann, erkennt in Sekunden, ob ein Handschuh zur Tätigkeit passt.
Das Piktogramm lesen
Unter dem Hammer-Symbol stehen bis zu sechs Zeichen in fester Reihenfolge. Eine höhere Ziffer heißt immer: besser. Ein X heißt: nicht geprüft oder nicht anwendbar – nicht „schlecht".
| Stelle | Prüfung | Skala | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 | Abriebfestigkeit | 1–4 | 100 / 500 / 2.000 / 8.000 Zyklen |
| 2 | Schnittfestigkeit (Coup-Test) | 1–5 oder X | Rotierende Klinge, Index-Wert |
| 3 | Weiterreißfestigkeit | 1–4 | 10 / 25 / 50 / 75 N |
| 4 | Durchstichfestigkeit | 1–4 | 20 / 60 / 100 / 150 N |
| 5 | Schnittfestigkeit (TDM-Test) | A–F | 2 / 5 / 10 / 15 / 22 / 30 N |
| 6 | Stoßschutz | P oder leer | Optional, nur wenn geprüft |
Warum es zwei Schnittschutz-Werte gibt
Bis 2016 wurde Schnittfestigkeit nur über den Coup-Test geprüft: Eine rotierende Klinge fährt über das Material, gezählt wird, wie viele Umdrehungen es aushält. Das Verfahren hat einen Konstruktionsfehler – bei hochschnittfesten Materialien wie Glas- oder Stahlfaser wird die Klinge während der Prüfung stumpf. Der Handschuh hält dann scheinbar länger durch und wird zu gut bewertet.
Deshalb kam mit der Fassung von 2016 der TDM-Test hinzu: Dort fährt eine frische Klinge genau einmal über das Material, gemessen wird die nötige Kraft in Newton. Das Ergebnis steht als Buchstabe A bis F an fünfter Stelle. Bei klingenstumpfenden Materialien ist der TDM-Test verbindlich, der Coup-Test darf dann durch X ersetzt werden.
Ein Handschuh mit „4X43D" ist bei Schnittfestigkeit deutlich besser als einer mit „4343" – obwohl die zweite Zahlenfolge auf den ersten Blick vollständiger aussieht. Vergleiche immer denselben Test miteinander, nicht Ziffer gegen Buchstabe.
Worauf es in der Praxis ankommt
Der beste Handschuh ist der, der getragen wird
Ein Handschuh mit Höchstwerten in allen Kategorien ist meist dick, steif und ungenau. Wer damit keine Schraube greifen kann, zieht ihn aus – und dann schützt er gar nicht. Für die meisten Tätigkeiten ist der Handschuh richtig, der die tatsächliche Gefährdung abdeckt und dabei so fein wie möglich bleibt.
Passform entscheidet über die Schutzwirkung
Zu große Handschuhe rutschen und verlieren an Griffsicherheit, zu enge ermüden die Hand und werden früher abgelegt. Handschuhgrößen sind genormt – eine Anprobe vor der Bestandsbeschaffung spart teure Fehlkäufe.
Was EN 388 nicht abdeckt
Die Norm bewertet ausschließlich mechanische Risiken. Für andere Gefährdungen gelten eigene Normen: Chemikalienschutz, Hitzeschutz, Kälteschutz oder Schnittschutz gegen Kettensägen werden hier nicht geprüft. Ein Handschuh mit guten EN-388-Werten kann gegen Lösungsmittel völlig ungeeignet sein.
Arbeitshandschuhe von Kübler
Unsere Arbeitshandschuhe sind nach EN 388 geprüft und ergänzen die Schutzkleidung dort, wo mechanische Belastung auf die Hände wirkt.
Für Schnittschutz bei Kettensägenarbeiten gilt eine eigene Norm – siehe EN ISO 11393-2.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein X im Piktogramm?
Dass diese Prüfung nicht durchgeführt wurde oder nicht aussagekräftig war. An zweiter Stelle ist das der Regelfall bei hochschnittfesten Materialien, weil der Coup-Test dort unzuverlässig wird. Die belastbare Angabe steht dann an fünfter Stelle als Buchstabe.
Was ist besser – eine 5 beim Coup-Test oder ein D beim TDM-Test?
Die Werte sind nicht direkt vergleichbar, weil sie unterschiedlich gemessen werden. Der TDM-Wert in Newton ist bei hochschnittfesten Materialien aussagekräftiger. Vergleiche immer denselben Test miteinander.
Deckt EN 388 auch Chemikalien oder Hitze ab?
Nein. Die Norm bewertet ausschließlich mechanische Risiken: Abrieb, Schnitt, Weiterreißen, Durchstich und optional Stoß. Für Chemikalien, Hitze oder Kälte gelten eigene Normen.
Brauche ich immer die höchste Stufe?
Nein – und oft ist das kontraproduktiv. Handschuhe mit Höchstwerten sind dicker und unbeweglicher. Wer damit nicht arbeiten kann, zieht sie aus. Der richtige Handschuh deckt die tatsächliche Gefährdung ab und bleibt dabei so fein wie möglich.
Beratung Handschutz
Der beste Handschuh ist der,
der auch getragen wird.
Wir sagen dir, welche Werte deine Tätigkeit verlangt und wo der Kompromiss zwischen Schutz und Fingerfertigkeit liegt.
Stand: Juli 2026