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EN ISO 15797 – Industriewäsche für Berufskleidung

Kurz gesagt: EN ISO 15797 legt fest, wie Berufskleidung geprüft wird, die in der gewerblichen Großwäscherei aufbereitet wird – nicht in der Haushaltswaschmaschine. Die Norm beschreibt acht industrielle Waschverfahren und zwei Trocknungsverfahren. Ein Kleidungsstück gilt als industriewaschbar, wenn ein unabhängiges Prüfinstitut nachgewiesen hat, dass es Maßhaltigkeit, Farbe und Schutzfunktion unter diesen Bedingungen behält. Entscheidend ist dabei nicht nur ob, sondern nach welchem Verfahren geprüft wurde.

Normstand und Einordnung

Aktuelle FassungDIN EN ISO 15797:2018-05
PrüfumfangAcht industrielle Waschverfahren, zwei Trocknungsverfahren
Art der NormPrüfnorm – sie legt Verfahren fest, keine Schutzleistung
PSA-RelevanzKeine eigene PSA-Kategorie
Der wichtigste Punkt EN ISO 15797 schützt niemanden. Sie ist die Norm, die dafür sorgt, dass die anderen Normen ihre Gültigkeit behalten. Ohne Industriewäsche-Prüfung ist die Schutzwirkung im Textilservice-Kreislauf schlicht unbekannt.

Eine Warnschutzjacke bleibt im Wäschekreislauf nur dann normkonform, wenn Gewebe und Reflexstreifen für genau diese Belastung ausgelegt und über eine definierte Zahl von Umläufen geprüft sind.

Das PRO-Label lesen

Kübler kennzeichnet industriewaschbare Workwear mit einem zusammengesetzten Piktogramm, das drei Informationen gleichzeitig trägt. Wer es lesen kann, erkennt in zwei Sekunden, ob ein Teil in die eigene Wäschereistrecke passt.

Aufbau des PRO-Labels nach EN ISO 15797: links ein Rechteck mit den inversen Großbuchstaben PRO für die Eignung zur professionellen Industriewäsche, in der Mitte eine Zifferleiste von 1 bis 8 für die acht Waschverfahren der Norm mit invers dargestellter geprüfter Ziffer, rechts zwei Trocknungsfelder – oben ein Quadrat mit Hexagon für den Trommeltrockner, unten ein Quadrat mit drei waagerechten Rechtecken für den Tunnel- und Schrankfinisher
Der Aufbau des PRO-Labels. Die Erklärung zu jedem Feld steht darunter in Textform.
Die Felder des PRO-Labels im Wortlaut

Professionelle Industriewäsche

Die Eignung des Textils für die professionelle Textilpflege wird durch ein Rechteck mit den inversen Großbuchstaben „PRO" dargestellt. Es steht dort nur, wenn ein unabhängiges Prüfinstitut das Textil nach EN ISO 15797 geprüft hat.

Waschen

Jede Ziffer steht für eines der acht in EN ISO 15797 beschriebenen Waschverfahren. Das Verfahren, mit dem das Textil geprüft wurde, wird invers abgebildet – weiße Ziffer auf schwarzem Grund. Bei Kübler ist das durchgängig die 8.

Trocknen

Die beiden Felder rechts beschreiben, mit welchen Trocknungsverfahren das Textil geprüft wurde. Belegt heißt freigegeben, leer heißt nicht geprüft.

Trommeltrockner

Die Trocknung im Tumbler wird durch ein Quadrat gekennzeichnet, in dem ein Hexagon abgebildet ist.

Tunnel- / Schrankfinisher

Dieses Trocknungsverfahren wird durch ein Quadrat dargestellt, das in drei gleich große Rechtecke unterteilt ist.

Die beiden rechten Felder sind der Punkt, an dem du hinschauen musst. Ist nur das obere Feld mit dem Hexagon belegt, ist das Teil ausschließlich für den Trommeltrockner freigegeben. Sind beide Felder belegt, darf es zusätzlich durch den Tunnel- oder Schrankfinisher. Bei Kübler steht durchgängig die 8 invers – über alle Kollektionen hinweg, von ACTIVIQ über REFLECTIQ bis PROTECTIQ.

Was das für deine Kosten bedeutet Trommel oder Tunnel ist kein Qualitätsunterschied, sondern eine Prozessfreigabe. Ein Teil mit Tunnelfinisher-Freigabe läuft in der Großwäscherei durch, ohne den Umweg über den Tumbler – und genau dieser Umweg ist der aufwendigere Schritt. Je mehr Trocknungsverfahren freigegeben sind, desto flexibler ist deine Wäscherei in der Prozessplanung.

Desinfektionswäsche

Für Rettungsdienst, Pflege und Lebensmittelverarbeitung reicht sauber nicht – die Kleidung muss desinfizierend aufbereitet werden. Die RESCUE-Kollektion ist dafür geprüft: 30 industrielle Wäschen im Desinfektionswaschverfahren, konform zur RKI-Richtlinie, Wirkungsbereich A + B. Wenn in deiner Ausschreibung „desinfizierende Aufbereitung" steht, ist das der Nachweis – nicht die allgemeine Industriewäsche-Tauglichkeit.

Worauf es in der Praxis ankommt

Was 30 Wäschen tatsächlich mit der Ware machen

„Industriewaschbar" ist eine Ja/Nein-Angabe – interessant wird es, wenn man misst, wie viel Leistung über die Umläufe verloren geht. Am Beispiel einer RESCUE-Wetterschutzjacke mit Membran:

KennwertNeuwareNach 30 IndustriewäschenNormanforderung
Wassersäule20.000 mm18.000 mm2.040 mm

Die Membran verliert messbar – 10 % über 30 Umläufe. Und liegt danach immer noch beim Achtfachen der Normanforderung. Genau dieser Abstand ist der Unterschied zwischen einem Teil, das die Prüfung besteht, und einem, das sie über die gesamte Vertragslaufzeit besteht.

Die Frage vor dem Kauf Nicht „ist die Norm erfüllt?", sondern „mit welchem Abstand – und nach wie vielen Wäschen wurde gemessen?". Ein Teil knapp über der Normgrenze kann im dritten Jahr darunter liegen und war beim Kauf trotzdem normkonform. Der Abstand entscheidet über die Nutzungsdauer.

Nicht jedes Gewebe verträgt dieselbe Temperatur

Industriewaschbar heißt nicht überall dasselbe. Bei technisch anspruchsvollen Geweben weicht Kübler bewusst vom Standardprozess ab und dokumentiert das am Artikel:

  • Schnittschutz High Vis (Gewebe 8203): 60 °C, Trocknung Verfahren A mit reduzierter Temperatur. Bei sieben Lagen Schnittschutzgewebe und Polyester-CORDURA® ist das die Grenze, bei der die Schnittschutzwirkung sicher erhalten bleibt.
  • PROTECTIQ HIGH VIS (Gewebe 8420): reduzierte Waschtemperatur 60 °C.
  • Gewebe 8430: 60 °C und reduzierte Trocknungstemperatur.

Wenn ein Anbieter pauschal „industriewaschbar" auf die ganze Kollektion schreibt, ohne pro Gewebe zu differenzieren, ist das kein Qualitätssignal, sondern ein fehlendes Detail.

Konstruktionsdetails nur für den Textilservice

  • Schlaufen zum Aufhängen im Tunnelfinisher – bei den ICONIQ PRO Hosen konstruktiv eingebaut (Formen 2345, 2545, 2445, 3145).
  • Leasingkoller – ein zusätzliches Stoffteil, in der Regel innen im Nacken, das die Kennzeichnung des Trägers aufnimmt. Nach der Wäsche lässt sich jedes Teil wieder eindeutig zuordnen. Ohne dieses Feld funktioniert ein Mietwäsche-Kreislauf mit personalisierter Ausstattung praktisch nicht.
  • Reparierbarkeit – kleinere Schäden lassen sich beheben, statt das Teil auszusteuern. Bei Mietwäsche entscheidet das über die Umlaufzahl und damit über den Stückpreis pro Trageeinheit.

Zwei Fallen aus der Praxis

  • Rot und Schwarz färben ab. Diese Gewebe geben Farbüberschüsse ab und färben helle Stoffe an. Vor dem Einsatz die Nassreibechtheit testen – besonders wenn im selben Posten helle Teile mitlaufen.
  • Größen an gewaschener Ware ermitteln. Textilien arbeiten im ersten Waschgang. Sprich uns vor der Ersteinkleidung an – wir klären mit dir, welche Musterteile du für die Größenerhebung brauchst und wie der Waschtest mit deinem Textilservice aufgesetzt wird.

Brauchst du Industriewäsche-Ware?

Deine SituationEmpfehlung
Mitarbeitende waschen selbst zu Hause Auch hier lohnt sich geprüfte Ware – als Langlebigkeitsreserve. Was 30 industrielle Umläufe übersteht, hält im Haushaltswaschgang ein Vielfaches länger.
Textilservice / Mietwäsche über Dienstleister Zwingend geprüfte Ware. Kläre vorher, ob deine Wäscherei Tunnelfinisher fährt – dann Ware mit Tunnelfreigabe wählen.
Eigene gewerbliche Wäscherei Geprüfte Ware plus eigene Waschtests mit deiner Chemie. Verfahren am Etikett gegen dein Programm abgleichen.
Kleidung mit Schutzfunktion Nicht optional. Ohne Prüfung ist nach dem ersten Umlauf unklar, ob die Schutznorm noch erfüllt ist.

Zusammenspiel mit den Schutznormen

EN ISO 15797 steht nie allein. Sie ist die Bedingung dafür, dass diese Normen im Wäschekreislauf halten:

Häufige Fragen

Was bedeutet die Zahl im PRO-Label?

Sie benennt das Waschverfahren, mit dem das Textil geprüft wurde. Die Norm beschreibt acht Verfahren; die invers dargestellte Ziffer ist das geprüfte. Kübler prüft durchgängig nach Verfahren 8.

Ist industriewaschbare Kleidung auch für die Haushaltswäsche geeignet?

In aller Regel ja – die Industriewäsche ist die deutlich härtere Belastung. Achte auf die Pflegesymbole am Einzelteil, weil einzelne Gewebe reduzierte Temperaturen vorgeben.

Warum steht bei manchen Artikeln 60 °C statt der Standardtemperatur?

Weil das Gewebe oder die Ausrüstung es verlangt. Bei mehrlagigem Schnittschutz oder bestimmten High-Vis-Geweben würde die höhere Temperatur die Schutzwirkung oder die Maßhaltigkeit beeinträchtigen. Die Abweichung steht am Artikel.

Verliert Warnschutzkleidung durch Industriewäsche ihre Zertifizierung?

Nicht die Zertifizierung, aber möglicherweise die Schutzwirkung. Die Norm für Warnkleidung definiert eine Mindestleuchtdichte; wird sie unterschritten, ist das Teil auszusteuern. Deshalb gehört zu jedem Mietwäschevertrag ein definierter Austauschzyklus.

Muss ich eigene Waschtests machen, wenn die Ware geprüft ist?

Ja. Die Normprüfung bildet einen Standardprozess ab, nicht die Chemie, Wasserhärte und Programmzeiten deiner Wäscherei. Ohne eigene Tests lässt sich das Verhalten im realen Kreislauf nicht vorhersagen.

Kollektionen für die Industriewäsche

96 Modelle aus unseren Kollektionen sind nach EN ISO 15797 geprüft. Welche zu dir passt, hängt davon ab, wogegen deine Leute geschützt sein müssen – und ob überhaupt eine Schutzfunktion gefordert ist.

Beratung für Textilservice und Mietwäsche

Wir finden die Ausstattung,
die deine Wäscherei aushält.

Wir gehen mit dir durch, welche Waschverfahren dein Dienstleister fährt, welche Artikel dazu passen und wie der Waschtest vor der Ersteinkleidung aufgesetzt wird – inklusive der Musterteile für die Größenerhebung.

Stand: Juli 2026